Berlin 2017 – Drei Tage im Juni

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Nach einem Jahr Pause war ich die Tage wieder auf der Webinale in Berlin. Neben der Konferenz gab es immer wieder mal Zeit mit der Kamera loszuziehen. Eines meiner Highlights war übrigens das „Tête-a-Tête“ mit einer ausserordentlich schönen Frau. Aber dazu später mehr.

Wenn man wie ich „eher aus der Provinz“ kommt – meine Karlsruher Mitbürger mögen mir verzeihen – und in einem „Bergdorf“ wohnt, dann ist Berlin eine vibrierende, laute, junge und multikulturelle Metropole. Die ersten Stunden dort stellen schon fast eine Reizüberflutung dar. Mein Fotografenherz suggeriert auch immer gleich: „Hier magst du wohnen und deine Inspiration finden“. Der gesunde Menschenverstand kontert dann immer geschickt: „Hey, auf deinem Bergdorf lebt es sich gesünder und ruhiger, was willst du in Berlin“?

In diesen drei Tagen im Juni habe ich mich neben touristischen Zielen auch ein Wenig mit den Licht- und Schattenseiten von Berlin auseinandergesetzt, Teile von Berlin mit meiner Squeezerlens entdeckt, zwei leckere Restaurants besucht, großartige und sehr eindrucksvolle Illuminationen „Dem deutschen Volke“, zusammen mit vielen Anderen genossen, und last but not least meiner Vorliebe für Geschichte gefrönt.

Berlin im Juni 2017 – Licht und Schatten

Jede Metropole, jede Großstadt hat zwei Gesichter: eines das sie der Welt gerne zeigt, und eines das sie lieber überschminken möchte. Ich spreche von den „Abgehängten“, von den Menschen unter uns, die so ziemlich alles verloren haben und auf der Straße leben müssen. Sie leben oft in direkter Nachbarschaft von Sehenswürdigkeiten und „touristischen Hotspots“. Wo Licht ist, ist auch Schatten. Wo Freude vorherrscht gibt es auch Verzweiflung. Ein Davor und auch ein Dahinter.

Berlin im Juni 2017 – Unterwegs mit der Squeezerlens

Ich hatte natürlich auch meine Squeezerlens in Berlin mit dabei. Und das nicht nur, um das wöchentliches Bild für mein #Articulated Projekt zu machen. So habe ich mich zweimal nur mit meiner Squeezerlens und der Fuji X-t1 aufgemacht um einen kleinen Teil Berlins aus meinem Blickwinkel zu „squeezen“

Da ich kein festes Ziel, keinen Plan zum im Kopf hatte, habe ich mich morgens vor der Konferenz und Nachmittags danach, einfach von meinem Bauchgefühl treiben lassen. Heraus kam in Summe eine Runde vom verlängerten Schiffbauerdamm in die Rochstrasse, über den Hackeschen Markt, die Oranienburg Straße, links in die Sophienstrasse, über die Augustastrasse vorbei an der Stiftung Neue Synagoge und via Tucholskystrasse wieder zurück.

Berlin im Juni 2017 – kulinarische Tipps

Wer viel arbeitet und viel zu Fuß unterwegs ist, muss auch etwas essen. Dafür bietet Berlin eine Fülle von Lokalitäten aller Couleur an, da ist für jeden etwas dabei. Ich habe hier zwei Tips, die ich dir wärmstens empfehlen kann.

  1. Für Freunde der amerikanisch- mexikanischen Küche: die Tex Mex Cantina in Berlin-Mitte
    Die Tex Mex Cantina befindet sich in der Georgenstrasse 198 in Mitte, unweit des S-Bahnhofes Friedrichstrasse, somit sehr nahe zur Konferenz und auch zu meinem Hotel.
    Ich war dort zwei Mal und habe jeweils einen Burger, einmal den „Tex Mex“ und einmal den „Chilie Burger“ gegessen: Das Brötchen war frisch und knusprig, also kein „Larifari-Labber Brötchen“ à la Mac Doof oder Burger King, der Belag ebenso üppig wie lecker, die Pommes frisch und der Krautsalat knackig. Die Portion ist auch für den großen Hunger reichlich und mit € 9.90 nicht wirklich teuer.

    Die Text Mex Cantina liegt recht unscheinbar direkt neben / unter den Gleisen der S-Bahn. Im Sommer sitzt du gemütlich vor und unter den Gleisen und genießt deinen Burger. Wenn du Vegetarier bist, kein Problem: Die Cantina bietet auch für dich eine Auswahl an Speisen an.

  2. Für Freunde der spanischen Küche: das Jamón-Jamón in Berlin-Kreuzberg
    Das sehr gemütliche Jamón-Jamón befindet sich in der Schönleinstrasse 32 in Kreuzberg nahe der gleichnamigen U-Bahn Haltestelle. Das Lokal hat innen nicht sehr viele Sitzplätze, so dass du besser reservieren solltest. Da ich der erste Gast war, hatte ich die freie Auswahl und habe mich für einen der wenigen Plätze im Freien entschieden.
    Zum Essen hatte ich mir eine Gazpacho (kalte spanische Tomatensuppe) und gebratene Morcilla (eine spanische Blutwurst) mit Mangomuß und Birnenscheiben bestellt. Dazu ein Viertel des Hausweines „Heiliger Gral“. Die Gazpacho war ein Traum, die gebratene Blutwurst sehr lecker. Dazu angeröstetes Weißbrot und den äusserst wohlschmeckenden Rotwein: sehr, sehr lecker. Die aufgerufenen Preise gehen in Ordnung. Für mich ein „must see & choose“ für deinen – und natürlich auch meinen – nächsten Besuch in Berlin.

Berlin im Juni 2017 – Multimedia-Show Reichtagsgeschichte: Dem deutschen Volke

Du kennst das sicher: Abends ist man müde und möchte einfach nur auf die Couch. Ja, es kostet manchmal Überwindung sich dessen zu erwehren, besonders in einer Metropole wie Berlin. So auch an meinem ersten Abend dort.
Zufällig entdeckte ich den Hinweis auf eine Multimedia-Show „Dem deutschen Volke – Eine parlamentatrische Spurensuche. Vom Reichstag zum Bundestag“. Diese Show läuft bis zum 3. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit, immer ab Sonnenuntergang.

Gegen 21.30 Uhr kam ich am Friedrich-Ebert-Platz hinter dem Reichstagsgebäude an. Die Laufschrift oben am Marie-Elisabeth-Lüders-Haus zeigte den Beginn der Show in circa 15 Minuten an.

Es saßen schon fast hundert Menschen erwartungsvoll auf den Treppen oder standen auf dem Friedrich-Ebert-Platz, am Ende waren es sicherlich doppelt so viele. Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass dies eine multikulturelle Veranstaltung war. Menschen, Paare und Familien unterhielten sich in Deutsch, Englisch und Französisch: toll!

Die auf einer großen und einer kleinen Leinwand gezeigten Bilder und Videosequenzen wurden durch Dolby Surround Beschallung unterstützt.
Bei Zitaten wie „Mister Gorbatschow, tear down this wall“ oder „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen“,  „Heute ist der Tag, wo das Volk von Berlin seine Stimme erhebt“, spätestens jedoch nach dem Skandieren im Video „Wir sind das Volk“, jagen einem Gänsehaut-Schauer über den Körper. Also bei mir jedenfalls.
Ein sehr erhebendes Erlebnis, das ich mit vielen anderen Menschen aus vielen anderen Ländern teilen durfte!

Wenn du also bis zum Oktober planst nach Berlin zu fahren, dann musst du dir diese Multimedia-Show auf jeden Fall ansehen. Die Bilder geben leider nur einen kleinen Teil des visuellen Erlebnisses wieder. Über das Video das ich gedreht habe, um auch den Ton wiederzugeben  legen wir am Besten den Mantel des Schweigens.

Berlin im Juni 2017 – Touristische Knipsbilder

Auch als ambitionierter, semiprofessioneller Fotograf muss man manchmal „Fünfe gerade sein lassen“ und einfach mal drauflosknipsen. So sind die folgenden touristischen Knipsbilder und eine kleine Serie „Street in den Hackeschen-Höfen“ entstanden.
Viel Spaß beim bunten Potpourri:


Berlin im Juni 2017 – geschichtliches, politisches und ein intensives Tête-a-Tête

Für meinen „privaten Tag“ am Samstag hatte ich zuerst geplant nach Potsdam zu fahren und den Tag dort zu verbringen. Glücklicherweise habe ich mich dagegen entschieden um meinem geschichtlichen Interesse intensivst und komprimiert mit dem Besuch des Pergamon Museums und des Neuen Museums zu frönen.

Das Highlight war für mich ganz klar die Büste der Nofretete im Neuen Museum, da konnte auch das Ishtar Tor aus Babylon nicht mithalten.
In weiser Voraussicht hatte ich mir schon am Freitag das Ticket für das Neue Museum online, mit einem Zeitfenster von 10:00 Uhr bis 10:30, also gleich zu Beginn der Öffnungszeit, bestellt. Frei nach dem Motto: „Der frühe Vogel … “ war mir die Ehre vergönnt über fünf Minuten alleine mit Nofretete zu verbringen. Die beiden Museumsangestellten zählen ja nicht wirklich. Ein echtes „Tête-a-Tête“ also :)

Die Büste der Nofretete anzusehen ist ein ebenso erhebendes Gefühl, wie vor der Mona Lisa im Louvre zu stehen. Nach eingehendem Betrachten der Büste von allen Seiten kam es mir so vor, als ob auch Nofretete „zwei Seiten“ hat: Nofretetes linke Mundpartie ist eher gerade. Die rechte Mundpartie hingegen, scheint ein ein kleines, feines Lächeln zu zeigen: Das Lächeln einer stolzen und schönen Frau, die sich dessen natürlich bewusst war und ihre Ausstrahlung sicher einzusetzen wusste.

Leider darf man Nofretete nicht mehr fotografieren, da es – sorry für den Ausdruck – dumme Touristen in der Vergangenheit nicht lassen konnten, dort mit dem Blitz zu fotografieren, obwohl das untersagt ist. Dumm vor allem, da Blitzen auf eine Glasvitrine so viel Sinn macht wie sich an erkalteten Glutresten wärmen zu wollen.

An dieser Stelle ist es mir ein Anliegen eine politisches Statement abzugeben.
Ich finde es überaus eindrucksvoll durch die Jahrtausende zu laufen, die vielen Errungenschaften, die frühe Kunst und Technik zu betrachten. Schnell wird einem bewusst, dass all diese Dinge, der Faustkeil, die Schwerter und Rüstungen, der Schmuck und die Gefäße, die Kultobjekte und Götterstatuen, all die Kriege, Friedensverhandlungen und die heiligen Zeremonien die damit „begangen“ wurden, alle Verfehlungen und Versuche Dinge besser zu machen, uns dahin geführt haben wo wir jetzt sind: An einer Schwelle an es möglich ist, einen ungebildeten, orange gefärbten Greis mit dem Verstand eines Zehnjährigen zum mächtigsten Mann der Welt zu wählen. Ich kann da nur den Kopf schütteln und hoffen, dass wir alle aus der Geschichte folgendes gelernt haben: Die Geschichte der Menschheit geht nur weiter, wenn wir gerade heute alle ein gemeinsames Ziel haben.

Ich möchte Emmanuel Macron zitieren: „Make our planet great again“.

Nach insgesamt vier Stunden in den beiden Museen war meine blanke Gier nach Geschichte einigermaßen gestillt. Die für mich schönsten Objekt habe ich versucht durch die Scheibe zu fotografieren. Da ich leider meinen Polfilter vergessen hatte, ist mir das mal besser und mal schlechter gelungen.

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