Sommerurlaub 2016 in der Bretagne mit meiner Fuji XT-1

Von Selbsterkenntniss und einer neuen Leichtigkeit

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Wie seit vielen Jahren lautete das Motto: „Ab nach Nordfrankreich an die Atlantikküste“.
Ein Novum: wir waren dieses Jahr im selben Ferienhaus, in der kleinen Gemeinde Pleubian, genau wie im letzten Jahr.

Ein weiteres, jedoch viel gewichtigeres Novum (im Sinne des Wortes), war die Minimierung meiner Fotoausrüstung.
(Hier kann man mal sehen, was ich so alles verkauft habe)

In den letzten Jahren hatte ich immer zwei Fotorucksäcke im Auto zu verstauen: D800, Weitwinkelzoom, Normalobjektiv, Fischauge, Sigma-Zoom, D300 (weil die D800 ja kaputt gehen könnte), Fuji X100 (weil die Nikons beim Strandbummeln zu sperrig sind), zwei Dreibein-Stative, Einbeinstativ, zwei Nodalpunktadapter, Lee-Filter, Zubehör, MacBook, Ladegerät für jede Kamera, Erstzakku für jede Kamera.

In diesem Jahr genügte mir eine (!) Fototasche: Fuji XT-1,Fuji 23mm, Samyang 8mm Fischauge, Samyang 12mm, Dreibeinstativ, Einbeinstativ, ein Nodalpunktadapter, Lee-Filter, Zubehör, MacBook, ein Ladegerät, ein Zusatzakku.
Et voilà: weniger ist mehr!


Und: Ich habe während der drei Wochen Urlaub nichts, aber rein gar nichts vermisst!

Ich gebe zu, dass der Weg, das nicht günstige Foto-Equipment zu reduzieren, mental nicht einfach war. Rückblickend frage ich mich jedoch, warum ich so lange gebraucht habe um diesen Schritt zu gehen.
Vor der Reduzierung meines Fotokrames musste ich jedoch auch erst zu der Erkenntnis kommen, meine Fotografie nicht als Materialschlacht (mehr kann mehr), sondern als ein Weg zur Selbstfindung zu erkennen.

Von einer neuen Leichtigkeit mit der Fuji XT-1

Frei nach einer wahren Begebenheit

Wie habe ich habe ihn bedauert, den Armen :)

Zum Hintergrund: Während eines Ausfluges nach Ploumanac’h kam mir ein „Kollege“ mit stolz geschwellter Brust entgegen. Dort thronte – repräsentativ an einem Original Nikon Tragegurt drappiert- eine D800 mit angesetzem Batteriegriff und einem Nikon 70-200 F/2.8 mm Objektiv.

In meiner Hand fand sich nur meine Fuji XT-1 mit dem Samyang 12mm Objektiv wieder.

Der „Kollege“ bemerkte natürlich meine Blicke auf sein Equipment: Brust und Schultern recken sich noch weiter nach oben. Sein Blick, auf meine Kamera gerichtet, nahm einen mitleidigen Ausdruck an, ohne eigenen Stolz vermissen zu lassen. So bemerkte er meinen, nicht minder mitleidigen Gesichtsausdruck, ab der drei Kilo die er da am Hals mit sich herumschleppte, leider nicht.

Mein Mitleid schlug aber sehr schnell in Selbsterkenntnis um:
Scheiße aber auch … so warst du doch selbst im letzten Jahr noch unterwegs.

Naja, nicht ganz : Ich hatte die originalen Nikon-Trageriemen nie verwendet.

Die Befreiung vom „Fotoausrüstung-Wahn“ der letzten Jahre und das Wissen, dass es keiner drei Kilo Fotoausrüstung benötigt um gute Fotos zu machen, hat mir sehr geholfen runterzukommen und zu entspannen. So war der Urlaub einfach nur ein Genuss und kein Fotowettbewerb.

Reduziertes Equipment != schlechte Bilder

Stop: Was sind eigentlich „gute“ Urlaubsbilder ?

Diese Frage hätte ich vor einem Jahr sicherlich anders beantwortet.
Aber, Neues Jahr, bessere Denke.

Gute Urlaubsbilder, schlechte Urlaubsbilder, Spiegelreflex, Vollformat, Objektivpark …
Wer legt da den Rahmen fest?

  • Eine virtuelle Fotogemeinde“ ?
  • Artikel in Hochglanz-Fotomagazinen ?
  • das Alter Ego ?

Alles Quatsch. Du selbst legst den Maßstab an, wie du was fotografierst, ob das für dich „gut“ oder „schlecht“ ist, nicht die Anderen.
Wir alle sollten viel öfter innehalten, uns selbst reflektieren und mal einen Schritt vom Zaun zurücktreten um zu sehen, ob es neue, andere Wege daran vorbei gibt.

So wollte ich heuer einfach nur die (Foto)seele baumeln lassen, ohne meinen selbstgesteckten fotografischen Ansprüchen, die ich gar nicht leugnen mag, zu genügen.
Naja … fast :)

Zwei „ernsthafte“ fotografische Themen hatte ich mir schon vorgenommen:

  • mindestens ein Innenpanorama einer Kirche in jeder besuchten Stadt, Ortschaft oder auch Weiler (Blogpost ist in Vorbereitung)
  • eine, auf längere Zeit ausgelegte, Fotoserie über Haustüren zu beginnen  (Blogpost ist in Vorbereitung)

So finden sich in meinen diesjährigen Urlaubsbildern mit reduziertem Fuji XT-1 Equipment mehrheitlich Knipsbilder und auch der ein oder andere Postkarten-Kitsch.
Have fun :)

5 Kommentare
  1. Attila
    Attila says:

    Sehr gelungene, stimmungsvolle Fotos mit einem tollen Bildlook in der Bearbeitung. Wie immer, nett was von euch zu sehen und lesen.

    Antworten
  2. Werner
    Werner says:

    Sehr schöne Bilder.
    Ich bin ja schon immer für Reduktion. Mehr als ein 50mm oder 35mm brauche ich nicht mehr. Reduktion zwingt zu Kreativität und -du beschreibst es sehr schön – verschafft eine neue Leichtigkeit :-)

    Alles Liebe für dich
    Werner

    Antworten
    • Martin Wolfert
      Martin Wolfert says:

      Danke mein lieber Werner :)
      Ich bin sehr froh, die Reduktion auf das Wesentliche nun auch für mein Fotoequipment erreicht zu haben.
      Die XT-1 ersetzt die D800 in fast allen meinen Fotosujets. Sogar für gute 360° Panoramen. Aber dazu mehr in einem anderen Post :)

      Viele liebe Grüße,
      Martin

  3. Henrik
    Henrik says:

    Moin Martin,
    schöne Bilder! ich bin aus dem Urlaub zurück und hab’s ganz ähnlich gehalten: Ich habe nur eine (gute) Bridge mitgenommen und für den Panothrill die Theta S + ein Smartphone: Wenn man mit einem 3er Crop der Bridge auch keine Freistellungen erreichen kann, für Landschaften hat es damit und mit dem weniger an Ausrüstung voll ausgereicht. Und bezüglich der Panos: an manuelle handgestitchte und qualitativ hochwertige Aufnahmen taugt das kleine Ding ( http://mopswerk.de/ricoh-theta-s-panoramic-sphere-camera ) nicht, aber für kleine 360 Grad Erinnerungen in Bild und Film (160 Einzelbilder an der Zahl ) reicht es dicke ( ein Klick, und alles ist fertig gestitcht im Kasten ). … das Schwerste am ganzen war das zusammenklappbare Einbeinstativ, um Panos aus 3m Höhe aufnehmen zu können :-)
    Seien wir mal ehrlich: Wenn man das alles nicht professionell betreiben will, braucht man gar keine dicken Fotohobel mehr. Meisten verschwinden die ganzen Bilder dann doch eh wieder auf Festplatte … und eine schöne (Urlaubs)Erinnerung auf Foto ist eine schöne (Urlaubs)Erinnerung, egal mit welcher Kamera Sie gemacht wurde.

    Antworten

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