Infrarot-Panoramafotografie – oder vom mixen zweier fotografischer Nischen

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Ich finde es extrem spannend, fotografische Genres zu mischen, vor allem wenn es sich um Nischenthemen handelt. Also habe ich diesen Sommer versucht, zwei meiner fotografischen Themen zu kombinieren. Das Resultat: Infrarot-Panoramafotografie.

Dabei sind immerhin vier 360° Infrarot-Panoramen entstanden. Ein Bild – das erste in der Fotogalerie – ist ganz gut geworden. Die anderen drei hake ich mal unter experimentell und „lessons learned“ ab:


Wenn du weiterliest erfährst du:

  • meinen kompletten Workflow
  • welche Stolperfallen mir aufgefallen sind
  • mein definitives NoGo bei der Kombination der beiden Themen

Infrarote Panoramabilder – Welche Hardware benötigst du eigentlich dafür ?

Diese Frage ist schnell beantwortet: Wirf einfach deinen Panorama- und Infrarot-Fotokram zusammen auf einen Haufen.
Flapsige Antwort, aber korrekt. Der Haufen an fotografischer Hardware sieht nach dem „Zusammenwerfen“ bei mir so aus:

  1. Fuji X-E1 als Infrarot-Umbau von Irrecams
  2. Samyang UMC 8 mm F/2.8 Fischauge
  3. NodalNinja 5 Nodalpunktadapter
  4. eines meiner Manfrotto-Stative
  5. ggfs. einen Fernauslöser

Bis auf die umgebaute Fuji X-1 ist das ein „übliches Setup“ um 360° Panoramen zu fotografieren. Die ersten beiden Punkte können problemlos gegen eine normale digitale Kamera und ein Objektiv mit aufgeschraubten Infrarot-Filter ersetzt werden.

Gut dass ich meinen NodalNinja 5 Nodalpunktadapter nicht verkauft habe. Dieser musste, nach dem Verkauf meines Nikon-Equipents und dem Umstieg auf den Slant-Nodalpunktadapter von PT4Pano, jahrelang ein tristes Dasein fristen. Nun, wieder reaktiviert, kann der NodalNinja5 als Basis für erste Gehversuche infraroter 360° Panoramabilder dienen.

Von Hotspots und Lensflares

1. Hotspots

Da ich erst vor Kurzem mit der Infrarot-Fotografie begonnen habe, kann ich für diesen Bereich noch nicht mit eigenem Expertenwissen über Hotspots in der Infrarot-Fotografie dienen. Aus meinen Recherchen im Netz habe ich folgende Informationen zusammengetragen.

Was ist ein Hotspot und wie entsteht dieser?

Unter einem „Hotspot“ in der Infrarot-Fotografie versteht man „einen runden Fleck in der Mitte des Infrarot-Bildes, bei dem die Belichtung und/oder Farbgebung etwas anders ausfallen als auf dem Rest des Bildes. Diesen Hotspot kann man unter Umständen durch die nachträgliche Bildbearbeitung noch wegretuschieren, allerdings ist das meist mit viel Aufwand verbunden und die Ergebnisse fallen häufig nicht zufriedenstellend aus“ (Zitat-Quelle)

Die vorherrschende Meinung über die Entstehung von Hotspots bei der Infrarotfotografie ist, dass seine Entstehung abhängig von der Vergütung der Glasoberflächen und deren Anzahl ist. Für das sichtbare Licht, also für die normale Fotografie, sind Vergütungen auf Glaselementen eine tolle Sache: verhindern sie doch störende Effekte, Streulicht und ungewollte (eher kurzwellige) Lichtreflexionen im Objektiv.

In der Infrarot-Fotografie arbeitet man jedoch mit langwelligerem Licht. Für senkrecht in das Objektiv einfallende Lichtstrahlen wirken Vergütungen nur noch „ein wenig“. Die schräg in das Objektiv einfallenden Lichtstrahlen werden von einer Vergütung nicht mehr beinflusst und teilweise reflektiert. Daraus resultiert eine „hellere“ Bildmitte und ein „dunkleres“ restliches Bild.

Nach meinen bisherigen Erfahrungen sind Hotspots ein „echtes Übel“ in der Infrarotfotografie. Integriert in die Panoramafotografie eliminiert sich das Problem mit dem Hotspot während des Stitchings der Einzelbilder jedoch von ganz alleine. Die zwei folgenden, panorama-spezifischen Faktoren sind dafür verantwortlich:

  1. ein Hotspot tritt immer in der Bildmitte eines Infrarot-Bildes auf
  2. durch die Drehung in das nächste Segment (vertikal oder horizontal) bei der Aufnahme eines Panoramabildes, maskiert die Stitchingsoftware (in meinem Fall PTGui Pro) den in der Bildmitte entstandenen Hotspot sauber aus


2. Lensflares

Das Samyang 8mm F/2.8 Fischauge ist nun nicht gerade ein Weltmeister im Vermeiden von Lensflares. Infrarote Bilder bei direktem Sonnenlicht produzieren, zusammen mit meiner umgebauten Fuji X-E1, ein wahres Feuerwerk von Lensflares. Im Gegensatz zu auftretenden Hotspots, sind die Lensflares so gut wie nicht zu retuschieren.


Betrachtest du die Bilder Nummer zwei und drei der Bildergalerie (ganz oben im Beitrag), wirst du diese Aussage bestätigt finden. Damit ergeben sich für die infrarote Panoramafotografie in Bezug auf Lensflares zwei Möglichkeiten:

  1. stelle die Kamera immer in den Schatten um direkte Sonneneinstrahlung und damit auch Lensflares zu vermeiden
  2. wenn du direkte Sonneneinstrahlung nicht vermeiden kannst, versuche die entstehenden Lensflares „künstlerisch“ in das resultierende Panoramabild einzubauen

Mein Resümee: Hotspots in der infraroten Panoramafotografie spielen für das fertig gestitchte Panorama eine untergeordnete Rolle. Bei direkter Sonneneinstrahlung entstehen wirklich üble Lensflares, die nur mit viel Aufwand zu retuschierten sind. Daher ist es aus meiner Sicht ein NoGo, Infrarot-Panorama-Motive unter direkter Sonneneinstrahlung zu fotografieren.

360° Infrarot-Panoramafotografie – meine Workflows

Da du für die Infrarot-Panoramafotografie zwei Themen bedienst, musst du natürlich auf die jeweils technikspezifischen Besonderheiten achten.

Für den Aufnahme-Teil der Panorama-Fotografie gilt:

  1. korrekt eingestellter Nodalpunkt – je nach Kamera-Objektiv-Kombination
  2. „im Wasser stehender“, auf einem Stativ befestigter Nodalpunktadapter
  3. Kamera und Objektiv komplett auf manuell eingestellt (Blende, Belichtungszeit, ISO)
  4. „mittlere“ Belichtung einstellen – aus dem hellsten und dem dunkelsten Bereich des 360° Motives ermittelt
  5. bei längeren Belichtungszeiten einen Fernauslöser benutzen
  6. eigenen Schatten vermeiden, indem du beim Fotografieren „in Schattenrichtung“ einmal links und einmal rechts vom Stativ stehst
  7. Beim Herumlaufen um das Stativ nicht über dessen Beine stolpern :)

Auch wenn du über den siebten Punkt schmunzeln musst: schon manches Panorama-Shooting musste deswegen wiederholt werden.

Für den Aufnahme-Teil der Infrarot-Fotografie gilt:

  1. richtige Belichtung: Durch den „Wood-Effekt“ wird das Blattgrün im Bild zusätzlich aufgehellt, so dass du noch knapper belichten musst
  2. richtige Scharfeinstellung: Infrarot-Fotografie und große Blenden passen nicht zusammen. Der Fokus in der Infrarot-Fotografie unterscheidet sich oftmals deutlich von der normalen Fotografie

Nachbearbeiten der Bilder

  1. Import der RAW Dateien in Lightroom
  2. Zuweisen des Infrarot-Kameraprofiles
  3. Benutzerdefinierten Weißabgleich auf einer „grünen“ Stelle im Bild einstellen
  4. Nachbearbeiten in Bezug auf Belichtung, Kontrast, „Lightroom-D“, Klarheit, Dynamik und Sättigung in einem (!) Bild
    • Da der Kontrast bei Infrarotbildern eher flau ist, regle ich besonders bei Kontrast, Dynamik und Sättigung nach
  5. Vorgenommene Einstellungen auf alle (!) Bilder synchronisieren
  6. Exportieren der Bilder als 16-Bit TIF
  7. Import der TIF Bilder in die Stitchingsoftware (bei mir PTGui Pro)
  8. Stitchen der Einzelbilder zu einem 360×180° Panorama
  9. Infrarot-Nachbearbeitung des resultierenden Panoramabildes in Photoshop
    • Kanaltausch (Rot – Blau) vornehmen
    • allgemeine finale Retusche z.B. Bildflecken entfernen, Farbton / Sättigung anpassen, Dodge & Burn etc.

Mit Hilfe dieses Workflows ist aus 30 Einzelbildern ein sauberes und recht ansehnliches 360×180° Panorama entstanden. Leider hatte ich diesen Sommer nicht wirklich viel Zeit für weitere „infrarote Panorama-Experimente“, freue mich aber schon heute auf das kommende Frühjahr und den kommenden Sommer.

Ich hoffe du fandest meinen Beitrag zur Infrarot-Panoramafotografie spannend und hilfreich. Dann würde ich mich über einen Kommentar oder über Kritik sehr freuen.

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