Produkttest – Bildbwewertungen.de von Seen.by

Von der Bewertung einer Dienstleistung und eines emotionalen Bildes – Teil Eins

Ich habe von Bildbewertungen.de einen Gutschein für diese eine Bildbewertung bekommen.

bildbewertung-beitragsbild

Ende Juli habe ich an dieser Stelle über den neuen Dienst, bzw. das Produkt „professionelle, bezahlte Bildbewertung“  von Seen.by „Bildbewertungen.de“ berichtet.
Hier nun der Produkttest zu Bildbewertungen.de .

Webdesign, Usability und Wirkung des Webauftrittes

Die Webseite von Bildbewertungen.de wurde mit WordPress, und einem WordPress-Premium Theme  als „Onepager“ umgesetzt. Das Design ist up to date, und in der Farbgebung zurückhaltend seriös umgesetzt. Dadurch kommen die, über die Webseite  verteilten, „Call to action Buttons“ gut zur Geltung. Die Inhalte sind thematisch, aus den Links heraus, farblich voneinander abgesetzt.

Bucht man eine Bildbewertung, so kann das Bild als JPG oder TIFF mit einer Größe von bis zu 32 MB hochgeladen werden.
Respekt! Da kann sich so mancher Online-Druckdienst eine dicke Scheibe von abschneiden.

Das Bestellformular ist schlicht und funktional ohne das man etwas vermisst. Ärgerlich iss jedenfalls, dass der Link zur „Hilfe“ im Bestellformular wieder zurück auf die eigentliche Website führt. Somit muss man, um die Bestellung abzuschliessen, zuerst wieder auf den Warenkorb klicken.
Nicht fair ist meiner Meinung nach, die vorselektierte Auswahl den Newsletter zu abonnieren. Diese Option ist zudem noch relativ unscheinbar ganz unten links am Ende des Bestellformulares zu finden.
Sorry, aber da bin ich empfindlich; mir ist ein „nerviger“ Popup-Hinweis lieber, als versteckt angebrachte „Features“.

Als designierter Kunde fühle ich mich von Bildbewertungen.de thematisch kompetent abgeholt. Die Frage „Warum soll ich Geld für eine Bildbewertung bezahlen?“ wird mit einer guten Mischung aus plakativen Schlagworten und erklärenden Details gut beantwortet.
Die Bildredakteure werden in Bild und Text, der meiner Meinung nach jedoch zu kurz ist, vorgestellt. An dieser Stelle fände ich mehr Hintergrundinformationen, gerne auch auf einer extra Seite, eine vertrauensbildende Maßnahme. Schliesslich möchte ich ja wissen, wer die Fachleute / Bildredakteure sind, die mein Bild bewerten. Bezahle ich doch Geld dafür.

Generell, nicht nur in diesem Fall bei Bildbewertungen.de, stehe ich Inhalten einer Rubrik „Kundenmeinungen“ eher kritisch gegenüber. Dort finden sich, das meine ich völlig wertfrei, oftmals lediglich positive Aussagen mit einem Namen darunter. Als Leser habe ich keine Möglichkeit diese Aussage zu prüfen. In dieser Form minimiert die Veröffentlichung von Kundenmeinungen immer ein wenig das Vertrauen in die Website.

Über die Bewertung meines Bildes

Für „meine“ Bildbewertung habe ich ein für mich hochemotionales Bild ausgesucht. Emotionen, geboren aus der  Mischung einer Örtlichkeit, ihrer Geschichte, in Verbindung mit dem jüdischen Glauben, und einem Sperling.
Diese Emotionen habe ich absichtlich in das Zusatzfeld im Bestellformular eingefügt, um zu sehen ob diese Einfluß auf die Bewertung haben, oder nicht.

„GUF – die Halle der Seelen“

Berlin Holocaust-Mahnmal und Guf

Begleitender Text

Das Bild „GUF – die Halle der Seelen“ ist während meines Berlinbesuches Anfang Juni diesen Jahres entstanden. Das Motiv ist, in Verbindung mit der Örtlichkeit an der ich dieses Bild fotografieren durfte, für mich hoch emotional.
Die Örtlichkeit ist das Holocaust-Mahnmal in Berlin:

Ich war nach einer guten halben Stunde des Verweilens und Gedenkens eigentlich schon am Gehen, als ich den Sperling auf dieser Steele sitzen sah. Die Situation war irgendwie unheimlich, es gab nur den Sperling und mich, alles andere um mich herum nahm ich wie in einem dichten Nebel, in einer dunkle Vignette in einem Bild wahr. Der Sperling lies mich auf ungefähr einen Meter herankommen. Ich konnte nur dieses eine Bild machen, danach flog der Sperling in die Lüfte. Meine Gedanken kreisten danach um das Holocaustmahnmal und den Sperling und die Geschichte von „GUF – der Halle der Seelen“ aus der jüdischen Mythologie.

„Meine“ Bildbewertung lag, wie auf der Webseite von Bildbewertungen.de versprochen, exakt fünf Tage nach der Bestellung als neunseitiges PDF in meinem Postfach.
Die ersten drei Seiten bestehen aus einem hübsch gestalteten Deckblatt, gefolgt von der Vorstellung des Bildredakteurs, Georg Banek, und einem Inhaltsverzeichnis. Die eigentliche Bildbewertung besteht also aus sechs Seiten.

Das Inhaltsverzeichnis ist in vier Punkte gegliedert:

  1. Motiv und Bildaussage
  2. Gestaltung
  3. Aufnahmetechnik
  4. Bearbeitung

Für jeden dieser vier Punkte werden auf den folgenden Seiten unterschiedlich viele Fragen gestellt und nach einem, von Bildbewertungen.de erarbeiteten, Bewertungsschema beantwortet. Am Ende jeder Rubrik findet man eine Empfehlung als Fließtext. Dabei nimmt die Bildgestaltung mit zweiundzwanzig Fragen den größten Raum ein.
Die Bildbewertung ist hier auf meinem Blog zu finden.

Ohne hier gleich auf weitere Details einzugehen, möchte ich das originär hochgeladene Bild und die Version nach dem Arbeiten mit Bildbewertung hier direkt gegenüberstellen.

Original
Berlin Holocaust-Mahnmal und Guf

Nacharbeit
guf-die halle der Seelen

Ich muss zugeben, mit der Empfehlung von Georg Banek bei Motiv und Bildaussage fühle ich mich ja schon für alle im folgenden kritisch angemerkten Dinge entschädigt. Schreibt er doch:
„Ein perfekter Moment perfekt eingefangen. Der Gegensatz zwischen Spatz und Beton wirkt sehr stark, reizt die Fantasie und lässt viele Deutungen zu. Sehr stimmig. Ein Jahrhundertschuss.“

Hey, cool, DANKE!
Aber wäre mir dies Lob das Geld wert?
Ja, auf jeden Fall! Das Hochgefühl nach diesem Lob, wird durch folgende, durchaus kritisch angemerkten Details von Georg Banek mindestens egalisiert.

Genau an diese Stelle beginnt nun der eigentliche Prozeß der Wertschöpfung, der meiner Meinung nach jeden einzelnen Cent wert ist. Diese Wertschöpfung hängt aber davon ab, wie ehrlich man zu sich selbst ist, und wieviel man bereit ist an diesen „Kritkpunkten“ zu arbeiten.



Eine, etwas längere, Conclusio

Nach der Auseinandersetzung mit der Bildbewertung, habe ich mich eine Stunde hingesetzt und die vielen weißen Punkte auf der Steele auf der der Spatz sitzt zu retuschieren.
Und, Georg Banek hat Recht, wenn er meint dies würde dem Bild mehr Ruhe geben.

Wo ich nicht mit Georg Banek ins Boot steige, ist die Bewertung zum Schnitt des Bildes. Zitat Georg Banek:
„Das Motiv ist auf Spannung, auf Gegensatz ausgelegt. Das Quadrat ist aber ein vollkommen statisches Format – genau das Gegenteil. Auch die Platzierung im Goldenen Schnitt wirkt harmonisch ebenso die Entsättigung.Dadurch taumelt das Bild etwas unentschieden zwischen Ruhe / Statik und Spannung / Aufregung hin und her. Etwas mehr Entscheidung für die Spannung hätte dem Bild gut getan.“

Ich habe beim Schneiden lange über das Format nachgedacht. Schlussendlich habe ich mich von der Ruhe,  die der Spatz auf der Steele ausdrückt, leiten lassen. Diese Ruhe hatte, das ist auch immer noch so ;-) , einen höheren Stellenwert als einen weiteren Spannungsaufbau. Trotzdem habe ich das Bild so geschnitten, wie Georg Banek das empfohlen hat. So kann sich der geneigte Leser selbst seine Meinung bilden.



Quadratisch oder …

guf-die halle der Seelen

… doch lieber Hochkant ?
guf die Halle der Seelen

Meine Bewertung von Bildbewertungen.de

Der Ansatz und den Mut die Idee zu launchen, für eine Bildbewertung Geld zu verlangen, finde ich aller Ehren wert.
Ob der aktuelle Betrag von € 30.- nun viel oder wenig ist, liegt im Auge des Betrachters, da die Wertigkeit dieses Betrages nur durch eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Bildbewertung messbar wird.
Diese Auseinandersetzung ist jedoch Arbeit und ist sicherlich nicht immer einfach.  Es liegt also an einem selbst :)

Die Geschichte zur Entstehung meines Bildes, meine Emotionen, die Örtlichkeit an sich mag Georg Banek vielleicht berührt haben; ich weiß es nicht aber ich hoffe es :-)
Einen Einfuß auf seine Bewertung meines Bildes kann ich nicht herauslesen.



Fazit: Geld für eine Bildbewertung zu bezahlen um sich danach noch damit auseinanderzusetzen scheint auf den ersten Blick widersinnig zu sein. Ist es aber nicht! Mir hat die Bewertung meines Bildes gezeigt, WO ich mein fotografisches Potential noch verbessern kann. Mich hat das Angebot von Bildbewertungen.de auf jeden Fall überzeugt.

Update 27.08.2015:

Ich habe „meine“ Bildbewertung gestern Abend beim Treffen mit meiner Fotogruppe (Karlsruher Fotosalon) mitgenommen und diese verbunden mit der Frage „Würdet ihr für eine Bildbewertung Geld ausgeben?“

Die Grundstimmung der Antworten war eher negativ.
Negativ in Bezug auf den Preis und das, Zitat: „… sehr schematische Ankreuzen von Antorten …“ seitens des Bikldredakteures.

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