Produkttest – Samyang 100mm F/2.8 ED UMC Macro für Fuji X-Mount

Einfach mal näher ran!

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Das Samyang 100mm F/2.8 in der Übersicht

Nach über vierzig Jahren Firmengeschichte brachte Samyang im Mai 2015 das erste Makro-Objektiv heraus.
Dieses Samyang 100 mm Makro-Objektiv ist mit einer Anfangsblende von F/2.8 ein lichtstarkes, manuelles Spezialobjektiv mit einem Abbildungsmaßstab von 1:1 für Vollformat, APS-C und MFT-Kameras.

Mein Produkttest betrachtet das Samyang 100 mm F/2.8 an meiner Fuji X-T1. Das Objektiv wurde mir freundlicherweise von der Firma Hapa-Team zur Verfügung gestellt.

Mit einem Verlängerungsfaktor von 1,5 an der Fuji X-T1 bekommt man mit dem Samyang 100 mm Makro-Objektiv eine Brennweite von 150 mm, äquivalent zum Kleinbildformat. Diese Brennweite ist an einer spiegellosen Systemkamera schon eine echte Hausnummer.

Der optische Aufbau des Samyang 100 mm F/2.8 Makro-Objektiv besteht aus fünfzehn Linsen in zwölf Gruppen, montiert in einem Gehäuse aus einer hochwertigen Aluminium-Legierung. Durch den Einsatz von High Refraktive- und einem ED-Glaselement sollen Chromatische Aberrationen auf ein Minimum reduziert werden. Eine hochwertige Mehrfachvergütung und eine antireflektierende UMC-Beschichtung soll für ausgewogene Farben sorgen und Ghosting beziehungsweise Lensflares vermindern. Durch die neun abgerundeten Blendenlamellen ergibt sich eine kreisrunde Blendenöffnung, die ein weiches Bokeh versprechen.

Damit diese technischen Eckpunkte in optisch gute bis sehr gute Resultate münden, muss eine Menge Glas verbaut werden. Diese Menge an Glas resultiert logischerweise in ein recht hohes Gewicht.

Mit der Brennweite von 150 mm an der Fuji X-T1 und einer Naheinstellgrenze von ungefähr dreissig Zentimetern eignet sich das Samyang 100 mm natürlich für die Makrofotografie. Mit dem gummiert anmutenden Fokusring lässt sich die Innenfokkusierung des Samyang 100 mm Makro-Objektives fein dosieren. Der Blendenring rastet in halben Blendensrufen von Blende 2.8 bis Blende 32 hörbar und satt ein.

Sehr wohl würde sich das Samyang 100 mm Objektiv durch die Brennweite und die Lichtstärke auch für die People- und Portrait-Fotografie eignen. Dieses fotografische Sujet soll nicht Teil dieses Tests sein.

Das Samyang 100mm F/2.8 – Einige technische Daten

  • Brennweite: 100 mm
  • Sensor: APS-C
  • Blendenbereich: F/2.8 bis F/32
  • Autofokus: kein Autofokus
  • Linsen/Gruppen: 15 / 12
  • Naheinstellgrenze: 30 cm
  • Filtergewinde: 67 mm
  • Länge: 149,4 mm
  • Gewicht: 770 g
  • Aktueller Straßenpreis: € 529,99 (incl. 19% MwSt.)

Das Samyang 100mm F/2.8 – Produktbilder

Was versteht man eigentlich unter Makrofotografie?

Wikipedia meint dazu: „In der Makrofotografie wird ein Objekt so vor der Kamera positioniert, dass es auf der Aufnahme sehr groß und detailliert wiedergegeben wird. Im engeren Sinne spricht man von Makrofotografie, wenn das Bild des Objekts auf dem Kamerasensor genauso groß erscheint wie das Objekt selbst; der Abbildungsmaßstab ist dann exakt 1, auch als 1:1 dargestellt. Dies ist auch der bei Makroobjektiven häufig vorzufindende maximale Abbildungsmaßstab.“ (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Makrofotografie)

Da wir Deutschen uns gerne mit einzuhaltenden Regeln umgeben, gibt es mit der DIN 19040 auch eine Norm für „Makrofotografie“. Laut dieser DIN 19040 ist mit Makrofotografie alles gemeint, was zwischen einem Abbildungsmaßstab von 1:10 und 10:1 aufgenommen wurde … what?

Ich möchte die Begrifflichkeit der „Makrofotografie“ daher gerne für mich selbst definieren, und als Grundlage für diesen Produkttest nehmen: „Makrofotografie ist für mich die fotografische Abbildung eines Objektes / Motives, um Details sichtbar zu machen, die man mit bloßem Auge nur schwierig, oder gar nicht sehen kann. Dabei muss die Aufnahme aus einem minimalen Abstand zum Motiv aufgenommen werden.

By the way: Das übermäßige „croppen“ eines Bildes zählt für mich nicht zur Makrofotografie :)

Dieser Test soll Motive aus Flora und Fauna, jedoch auch detaillierte technische Abbildungen zeigen. Diese Motive können freihändig, unter Zuhilfenahme eines Statives oder mit speziellen Hilfsmitteln (Zwischenringe, Balgen, Retrostellung oder Einstellschlitten) fotografiert werden.

Daher habe ich den Test des Samyang 100 mm F/2.8 Objektives in drei Bereiche unterteilt:

  1. Offenblendige, florale Bildmotive aus der Hand
  2. Fauna- und Technik-Motive vom Stativ unter Zuhilfenahme der „Fokus stacking“ Technik
  3. Insektenfotografie vom Stativ unter Zuhilfenahme der „Fokus stacking“ Technik

Das Samyang 100mm F/2.8 – florale Motive aus der Hand

Beginnen möchte ich mit der vermeintlich einfachsten Kategorie der Makrofotografie: freihändige Makroaufnahmen von floralen Motiven mit möglichst offener Blende.

Vermeintlich einfach, da du viele Motive direkt vor der Haustüre findest. Problematisch jedoch, hinsichtlich deines gewünschten Schärfepunktes bei Blendenwerten zwischen 2.8 oder 4.0.

Aber, ich habe drei gute Nachrichten für dich:

  1. Diese Art der Makrofotografie entschleunigt ungemein und fördert die Tugend der Geduld
  2. Mit dem griffigen Fokusring des Samyang 100 mm Makro-Objektives lässt sich der Fokuspunkt exakt einstellen
  3. Durch das relativ hohe Gewicht des Samyang 100 mm Makro-Objektives liegt es zusammen mit der Fuji X-T1 sehr gut in der Hand und begünstigt somit eine einfache Scharfstellung auf deinen gewünschten Fokuspunkt

Im Anschluß findest du eine Auswahl von Motiven aus der heimischen Flora im Frühling. Alle Bilder wurden aus der Hand mit Blendeneinstellungen zwischen 2.8 und 4.0 fotografiert.


Wenn es einigermaßen windstill ist, dann sind solche Freihandaufnahmen mit dem manuellen Samyang 100 mm Makro problemlos möglich.

Was ist eigentlich Fokus stacking, und was eine förderliche Blende?

Hier möchte ich dir erklären, was der Begriff / die Technik „Fokus stacking“ bedeutet.
Unter  Fokus stacking (engl. focus stacking) versteht man die Aufnahme einer Bilderserie bei der du die Fokussierung (den Aufnahmeabstand) veränderst: die Kamera wird dabei in kleinen, definierten Schritten zum Motiv hin, oder vom Motiv wegbewegt. Wenn du wissen möchtest wie man die Kamera, ohne natürlich das Stativ zu bewegen, zu einem Motiv hin bewegt, so beantwortet mein Artikel zum CASTEL-Q Einstellschlitten von Novoflex deine Fragen.

Die so fotografierten Bilder unterscheiden sich nur in der Lage der Schärfeebene im Bild. Die Bilderserie wird dann nach der Aufnahme mit einer speziellen Software zu einem Bild montiert – „gestackt“. Dabei werden lediglich die schärfsten Bereiche jedes einzelnen Bildes zu einem Neuen zusammengefügt.

Ein grundlegendes Verständnis dieser Technik ist wichtig, damit du Makroaufnahmen eines Motive durchgehend scharf / mit einer durchgehenden Schärfentiefe fotografieren kannst.

Du könntest nun denken: „Ich lass den mal quatschen. Ich schließe einfach meine Blende ganz und gut ist. Zu welchem Zweck bietet mir mein Samyang 100 mm Makroobjektiv denn eine maximale Blende von 32 an?
Meine Antwort darauf wäre: „Ja, das könntest du tun. Aber bedenke, dass die Beugungsunschärfe bei einer Blende von 32 sehr viel höher als die von dir erwartete Schärfentiefe ist.

Auch bei der Makrofotografie gilt der Grundsatz, dass du einen guten Kompromiss zwischen Schärfentiefe und Beugungsunschärfe finden musst. In der Regel findet man diesen Kompromiss beim Einsatz der sogenannten „förderlichen Blende“. Diese förderliche Blende liegt für das hier getestete Samyang 100 mm Makroobjektiv, mit einem Abbildungsmaßstab von 1:1 auf einer APS-C Kamera montiert, bei circa Blende 14.

Du kannst dir die förderliche Blende deiner Kamera – Objektivkombination mit dem Onlinerechner von Elmar Baumann auch selbst ausrechnen.

Damit du dir die Schärfebereiche bei den verschiedenen Blenden des Samyang 100 mm Makroobjektives besser vorstellen kannst, findest du hier eine Blendenreihe von Blende 2.8 bis 32.


Da bewegte Bilder ihre eigene Sprache haben, findest du hier nochmals dieselbe Blendenreihe, dieses Mal jedoch als Animation.
Samyang 100mm Blendenreihe

Das Samyang 100mm F/2.8 – Fokus stacking – florale und technische Motive vom Stativ

Da die zugrundeliegende Aufnahmetechnik nun besprochen ist, habe ich zwei Motive damit fotografiert und später zusammengebaut: ein florales und ein technisches Motiv.

Spontan wirst du sicherlich denken: „Zusammengebaut, wie und mit welcher Software soll das denn gehen?
Um einen Bilderstapel zu „stacken“ gibt es einige Programme. Eine Liste findest du beispielsweise hier.

Für diesen Test des Samyang 100 mm Makroobjektives habe ich mir die Photomerge-Funktion von Photoshop CC und auch Spezialprogramme wie den Zerene Stacker und Helicon Focus Pro angesehen und oberflächlich verglichen. Beide Spezialprogramme bieten eine voll funktionsfähige kostenlose 30-Tage Test-Version an.
Schlussendlich habe ich mich für Helicon Focus Pro entschieden, da die Ergebnisse in meinen Augen besser waren, und der Zerene Stecker auf meinem Mac nicht so recht laufen wollte. Wenn ich mich zukünftig weiter mit der Makrofotografie beschäftigen sollte, werde ich beide Programme im Detail testen und vergleichen.

Nun möchte ich dir die mit Helicon Focus Pro „gestackten“ Motive aber nicht länger vorenthalten:


Für die ersten Gehversuche, und um die Anzahl der Einzelbilder / der dazu passenden Blende zu ermitteln, finde ich die Ergebnisse gar nicht so schlecht:
Die beiden Orchideen-Bilder sind aus jeweils 54 Einzelbildern bei Blende Acht gestackt. Die Detailaufnahme der Festplattenplatine ist aus 29 Einzelbildern bei Blende 11 montiert.

Das Samyang 100mm F/2.8 – Fokus stacking und die Insektenfotografie vom Stativ

Das Samyang 100 mm Makroobjektiv ist mit einer Brennweite von 150 mm an einer APS-C Kamera ideal für die Insektenfotografie. Mit dieser Brennweite kann man sehr gut ausserhalb der Fluchtdistanz bleiben.
Wobei sich nicht jedes Inskekt brav hinsetzt und wartet, bis der Fotograf seine Fokus stacking Reihe aufgenommen hat :)

Mich haben die monstermäßig anmutenden Detailaufahmen von Insekten schon immer fasziniert. Daher wollte ich mit dem Samyang 100 mm Makroobjektiv und dem CASTEL-Q von Novoflex versuchen, ob mir auch so faszinierende Bilder gelingen würden.

Da ein improvisierter „Set-Aufbau“ inclusive Kameraeinstellungen nicht in zwei Minuten gemacht sind, durfte sich mein „Model“ nicht bewegen, sprich tot sein. Tote Insekten findet man jedoch recht einfach im Keller, auf der Terrasse, dem Balkon oder in der Natur. Der Einfachheit halber habe ich mein Model auf eine weiße Oberfläche gelegt. Inzwischen ärgere ich mich darüber, keinen dunklen Hintergrund, keine dunkle Oberfläche benutzt zu haben. Wie auch immer, in diesem Test geht es ja in erster Linie um das Samyang 100 mm Makro-Objektiv, und nicht um den perfekten Aufbau eines Makro-Sets.

Daher finde ich die folgenden Bilder – meine ersten gestackten Makroaufnahmen von einer Spinne – recht ordentlich. Sieht man ganz genau hin, so kann man an einigen Stellen leichte Verwischungen sehen, die von zu großen Abständen beim Fokus stacking resultieren. Alle vier Bilder sind aus 34 Einzelaufnahmen bei Blende 8 und 11 entstanden.

Achtung … hast du eine Arachnophobie? Dann solltest du diesen Abschnitt vielleicht überspringen ;-)

Das Samyang 100mm F/2.8 – meine Conclusio

Das Samyang 100 mm F/2.8 Makro-Objektiv ist meiner Meinung nach ein fast ideales manuelles Makro-Objektiv.
Fast, da ein innenfokussiertes Objektiv mit einer Brennweite von 100 mm, einem Abbildungsfaktor von 1:1 und einer Lichtstärke von F/2.8 aus viel Glas besteht. Viel Glas impliziert auch viel Gewicht. Mit 770 Gramm ist das Samyang also kein Leichtgewicht. Dafür liegt es, zusammen mit der Fuji X-T1, satt in der Hand.

Durch den weit laufenden Fokus-Ring ist die Einstellung einer punktgenauen Schärfe kein Problem. Die Materialien und die Verarbeitung des Objektives sind sehr wertig, einwandfrei und insgesamt auf einem hohem Niveau. Da man in der Makrofotografie meistens manuell fokussiert, kann man dem Samyang den fehlenden Autofokus nicht als Manko ankreiden.

Zusammen mit der Fuji X-T1, oder jeder anderen APS-C Kamera, erhält man eine Brennweite von 150 mm. Damit ist ein Fotografieren ausserhalb der Fluchtdistanz vieler Tiere problemlos möglich.

Das Samyang 100 mm F/2.8 Makro-Objektiv erhält von mir eine klare Kaufempfehlung.

Gesponsorter Artikel –  Das Samyang 100 mm F/2.8 ED UMC Objektiv wurde mir von Hapa-Team.de zur  Verfügung gestellt.

1 Antwort
  1. henrik
    henrik says:

    Interessantes Produktreview und das rot-in-rot Blumenbild ist sehr ansehnlich geraten! Bei den Stacking Bildern ist -wie schon erwähnt- handwerklich noch was zu verbessern (ist auch definitiv anstrengender mit Makroschlitten die Pixelbeute einzufangen, als mit einer Kamera, die das automatisch beherrscht ).
    Das Samyang macht tolle Bilder, wäre mir aber ein Tacken zu schwer. Die Gefahr besteht, dass solche schweren Objektive bei der nächsten Fototour deswegen zu Hause bleiben (geht mir meistens so).
    Wenn es nicht gerade die Objektive von Samyang sind, die speziell für spiegellose Kameras gebaut sind: Dann nehme ich wg. Auflagemass meistens die Nikon Version (Canon würde auch noch gehen) und nehme einen Adapter: Dann kann das Objektiv bei Systemwechsel verbleiben / kann man es auch für mehrere Systeme nutzen (bei mir Sony + MFT).

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