Meine Squeezerlens in Kombination mit der Fuji X-T1

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Mein Beitrag über Pictorialismus war der Startschuß zu etwas völlig Neuem in meinem fotografischen Leben: der anspruchsvoll unperfekten Fotografie.
Jedoch, im Nachhinein betrachtet, bin ich bei der Auswahl des Titel für diesen Beitrag vielleicht ein wenig über das Ziel hinausgeschossen.

  • Einerseits: Ich hätte vielleicht eher den Begriff des „Neo-Pictorialismus“ benutzen sollen.
  • Andererseits: Ist das erklärteZiel des Pictorialismus – die Fotografie in der Kunst zu etablieren – in der heutigen Zeit nicht überholt, die Fotografie nicht schon längst als Kunst anerkannt?

Ich möchte diese Aspekte / Fragen zu diesem Zeitpunkt aus meinen Bildern und meinem Umgang mit dem Thema „Pictorialismus“ ausklammern, und mich viel mehr auf dessen Bildsprache konzentrieren: Die Unschärfe als Gestaltungsmittel zu benutzen. Dabei ist eine Retusche der Bilder sehr wohl erwünscht um den Ausdruck zu unterstreichen, jedoch nicht um diesen zu manipulieren.
Da meine Auseinandersetzung mit dem Pictorialismus erst begonnen hat, möchte ich diesen Begriff nicht unnötig strapazieren. Daher spreche ich im weiteren Verlauf meines Blogbeitrags vom „anspruchsvoll Unperfekten“ und nicht von Pictorialismus.

Die dem Pictorialismus zugrundeliegende Bildsprache fotografisch mit einer Squeezelens (Quetschlinse) umzusetzen ist anspruchsvoll, sollen die Ergebnisse mehr als nur ein banaler Abklatsch sein.
Ich sehe die Quetschlinse als ein unterstützendes Hilfsmittel, um meine Ideen vom anspruchsvoll Unperfekten umzusetzen. Dabei soll die Bildidee und nicht der „Squeezerlens-Bildlook“ im Vordergrund stehen, oder inflationär benutzt werden.

Anspruchsvoll Unperfekt: unterwegs in Wissembourg

Die ausgegebene fotografische Idee für den Shootingnachmittag war: Wissembourg mit der Squeezerlens aus der Moderne herauszulösen.

Dabei sollten (möglichst) alle Bilddetails vermieden werden, die Rückschlüsse auf unser Jahrhundert zulassen würden. Um dieser Idee besser gerecht zu werden, und um Ablenkung durch Farben zu vermeiden, habe ich alle Bilder in Schwarz-Weiß umgewandelt. Danach wurden wichtige Bilddetails mit klassischem Dodge & Burn moderat herausgearbeitet.


Das Fotografieren mit meiner neuen Quetschlinse ist eine echte Freude; zumindest für den Fotografen. Die schier unerschöpflichen Variationen von Schärfe- und Unschärfeverläufen verleiten zum Spielen und Experimentieren. Für die Begleiter des Fotografen kann das oftmals eher langweilig als künstlerisch wertvoll wirken.

Dabei ist es durchaus nicht einfach, mit der Fuji X-T1 und der Squeezerlens, zu jedem Motiv den „passenen Schärfenverlauf“ – „die passende Unschärfe“ zu finden und im Bild festzuhalten; trotz Fokuspeaking. Anspruchsvoll unperfekte Bilder zu  fotografieren bedeutet eben nicht, einfach sinnlos den Balg zu penetrieren und auf den Auslöser zu drücken.


Unperfekt fotografieren in Wissembourg: ein kurzer Rückblick

Verlässt man die am Wochenende von Touristen überlaufenen Straßen, versprüht Wissembourg einen ganz eigenen, heimeligen, zum Teil pittoresken Charme. Damit macht einem die Stadt das Herauslösen von Gegenwärtigem nicht schwer. Gut, über den Zebrastreifen lässt sich vielleicht geteilter Meinung sein, aber Peugeot gibt es schon seit anno 1810.

Da ich schon oft in Wissembourg war hatte ich viele Bilder und Motive schon vorher im Kopf, ebenso eine Vorstellung, wie die gesqueezten Bilder hinterher aussehen könnten.
Zwischen Vorstellung und Realität lagen, nach dem Sichten der Bilder, Welten: von siebenundfünfzig Bildern habe ich fünfzehn in die engere Wahl genommen, und elf davon online gestellt. Der Rest wird niemals veröffentlicht werden. Nicht weil die Bilder per se schlecht sind, nein der Schärfe- Unschärfe-Verlauf passt einfach nicht zu der zugrundeliegenden Bildidee.

Die ersten Schritte auf meinem Weg zum anspruchsvoll Umperfekten sind zurückgelegt. Ich bin sehr gespannt wohin dieser Weg mich führen wird.

3 Kommentare
  1. Werner
    Werner says:

    Hallo Martin,

    es braucht echt Übung um mit der Linse umzugehen. Offensichtlich aber hat dich da „was gepackt“ – Mir ergeht es ähnlich.
    Tolle Sachen…. Ich bin sehr gespannt.
    Lg,
    Werner

    Antworten
    • Martin Wolfert
      Martin Wolfert says:

      Hallo Werner,
      ja, es hat mich gepackt, es ist wie ein Tor in eine neue Welt.
      Fotografieren macht mich seitdem ich das Dingen habe wieder süchtig, ebenso wie das Bloggen darüber. Ein Gefühl, das ich schon lange nicht mehr verspürt habe.

      Grüße,
      Martin

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  1. […] nicht unerheblichen Anteil an meiner Faszination „Squeezerlens“ und meinem Versuch unperfekt zu fotografieren, der schlussendlich zu meinem 52 Wochen Foto-Projekt #Articulated  geführt […]

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