Zwei Wochen Cotentin im September 2022

Headerbild: Cotentin im September 2022

Endlich: Nach zwei Jahren pandemischen Ausfalles an „Reisen an den Atlantik“ haben wir es uns, trotz hoher Preise, einfach gegönnt, zwei Wochen an die französische Atlantikküste zu fahren, um die auf Notbetrieb laufenden Akkus wieder teilweise aufzuladen.

Die Überlegung dieses Mal war, den Urlaub so minimalistisch wie möglich zu halten und den Schwerpunkt auf eine achtsame Erholung zusammen mit und in der Natur zu legen. Dabei waren – und sind wir uns – des Privileges, Geld für Urlaub ausgeben zu können sehr bewusst.

Dieses Mal  haben wir uns ein wirklich einfaches Mobilehome auf einem zwei Sterne Campingplatz direkt am Meer auf dem „Camping La Ferme du Bord de Mer“ gut zwei Kilometer nordwestlich von Barfleur, ausgesucht.
Wenn du also Wert auf einen naturnahen Campingplatz mit einem ehrlichen Preis- Leistungsverhältnis legst, dann können wir dir den Camping La Ferme du Bord de Mer uneingeschränkt empfehlen.

Die Gründe für unsere Wahl sind schnell aufgezählt:

  • wir sind nicht mehr „nur“ zu zweit, sondern haben seit Mai diesen Jahres mit Riley ein neun Monate junges, felliges Familen-Mitglied und hatten daher viel Wert auf absolute und bezahlbare Nähe zum Strand gelegt
  • Reduktion hilft für eine gesunde Haltung in einer aktuell schwierigen Zeit ungemein, sich im Urlaub freiwillig zu erden und einen, aus unserer „westlichen Sichtweise“, minimalistischen Urlaub zu erleben

Fotoequipment einpacken oder nicht?

Das ist für Fotografie-Enthusiasten immer DIE wiederkehrende Frage. Und natürlich habe ich sie auch dieses Mal mit „Ja“ beantwortet.
Ich habe also eingepackt: Fuji X-T2, Fuji XE1 (Infrarotumbau), das Fuji 16mm, das Fuji 23mm, das Fuji 50mm, das Samyang UMC 8 mm F/2.8 Fischauge, das Minolta 135 mm F/2.8 MC Tele Rokkor -PF und das Volna-9 50mm F/2.8 Makro. Dazu meine Lee-Filter, ein Stativ und einen Kugelkopf.

Nun rate mal, wie oft ich die Fuji X-T2 oder auch nur ein Teil aus meinem Equipment angefasst habe? Stimmt genau: Null mal.
Ich habe in diesen 2 Wochen alle Bilder mit meinem iPhone gemacht. Zuerst aus Bequemlichkeit, dann aus Überzeugung, dass „Handybilder“ auch mal ausreichen müssen.

An die Idee „nur“ Handybilder zu machen hat sich mein Fotografen-Ego glücklicherweise schnell gewöhnt. Danach war es super entspannend, neben dem Rucksack und den Utensilien für den Hund nicht auch noch einen Fotorucksack mitschleppen zu müssen.

By the way: Die Bilder die du hier im Blogpost findest haben keinerlei fotografischen Anspruch. Beim Fotografieren habe ich mich einfach von meinen Gefühlen und meiner Intuition leiten lassen: ich wollte dem Augenblick des Erlebens den Vortritt geben und nicht das fotografische Festhalten desselben.

Die Anreise nach Gatteville-le-Phare und zum Campingplatz

Die Entfernung von Karlsruhe nach Gatteville-le-Phare beträgt, für die von uns gewählte Route, 959 Kilometer.
Ja, das ist nicht der kürzeste Weg!
Dieser würde jedoch über Paris führen und ist damit sehr stauanfällig. Damit haben wir, auch schon morgens um 04:00, sehr schlechte Erfahrungen gemacht und so ist unserer Reiseroute in die Normandie immer die folgende: Karlsruhe – Metz – Reims – Amiens – Le Havre – Caen – Bayeux – in diesem Falle: Gatteville-le-Phare.

Wie jedesmal ist es für mich, als Mensch mit Höhenangst, einerseits eine Herausforderung über die Point de Normandie zu fahren, auf der anderen Seite ist es ein tolles Gefühl über ein so exponiertes technisches Bauwerk zu fahren.

Bei Bayeux verlässt du die Autobahn und fährst einige Kilometer auf der Nationalstraße weiter, die du bei Montebourg verlässt, um danach auf der D902 via Sainte-Mère-Eglise, Quineville, Saint-Vaast-la-Hougue und Barfleur den Camping La Ferme du Bord de Mer  zu erreichen.

Camping La Ferme du Bord de Mer – Die nähere Umgebung

In den zwei Wochen haben wir fast alles zu Fuß unternommen: wir sind in dieser Zeit, inclusive vier Einkaufs-Fahrten zum Intermarche in Quettehou, nur ca. 100 Kilometer gefahren.

Unsere Unternehmungs-Highlights waren:

  • (Naschkatzen aufgepasst) Vom Campingplatz nach Barfleur: Genauer gesagt zur Bäckerei „Aux Mille Saveurs“. Dort gibt es sehr leckeres Baguette. Die Brioches, Schokocroissants, ach … und einfach alles andere ist sehr lecker. Der Fußweg ist (einfache Entfernung) gut zwei Kilometer lang und verläuft den überwiegenden Teil am Meer entlang. Mit fünf Kilometern Hin- und Rückweg ist dann schonmal ein Teil Kalorien des erstandenen Naschwerks verbrannt.

    Mittwochs und Samstags ist in Barfleur Markt und du kannst dort auch wirklich fangfrisches Meeresgetier erstehen.
    Ich habe mich dreimal für Miesmuscheln entschieden. Dazu Cidre von der Ferme du Vastel (bei Quettehou) und frisches Baguette von der Bäckerei Aux Mille Saveurs: Mehr brauchst du nicht!

  • Der Strand bei Néville-sur-Mer: Dort erwartet dich hinter flachen Dünen ein kilometerlanger Strand, der zwischen feinem Kiesel und reinem Sandstrand wechselt. Der Weg dorthin lohnt auf jeden Fall, wenn du Ruhe und Einsamkeit suchst. Wir waren mehrmals über mehrere Stunden dort, und haben in all der Zeit einmal zwei andere Pärchen und einen Fischer gesehen.
    Impressionen dazu:

Der Cotentin und die jüngere deutsche Geschichte

Wer die Normandie, oder auch die Bretagne, besucht sieht sich eher früher als später mit „Bauwerken der jüngeren deutschen Geschichte“ konfrontiert.
So ist das auch am Strand von Néville-sur-Mer mit der „Batterie de Caqueret“.
Die Haltung und Gedanken die jede*r zu diesen Bauwerken einnimmt und vertritt ist sicherlich sehr divers. Ich möchte euch meine gerne näherbringen.

Zuerst die Impressionen, danach meine Haltung und meine Gedanken dazu.

Ich finde es wichtig, dass die Bunker des Atlantikwalls immer noch bestehen und, wie in diesem Falle, als Basis für Kunst benutzt werden.
Wenn die Auseinandersetzung damit aus einem modernen, westlich geprägtem und demokratischen Denken hervorgeht!

Heute haben wir den Luxus an den einsamen Stränden der Normandie die Seele baumeln zu lassen, dem Meeresrauschen und dem Schaben von Kies in den Wellen zu frönen.
Das Idyll bekommt aber sehr schnell sehr tiefe Risse: Menschen in der Ukraine, verstecken sich aktuell in ähnlichen Bunkern vor dem Terror eines diktatorischen Autokraten um zu versuchen ihr nacktes Leben zu retten.

Oder denkt man an die vielen tausend Zwangsarbeiter und Verschleppten der „Organisation Todt„, die damals beim Bau dieser Bunker, unter unmenschlichen Bedingungen, meist mehr als ihre Seele verloren haben.

Oder denkt man an die vielen jungen Männer die, freiwillig oder unfreiwillig, schuldig oder unschuldig vor und hinter Bunkermauern ihr Leben lassen mussten nur um Befehlen zu folgen.

Diese Gedanken bringen mich immer sehr schnell in die harte Realität zurück: Genieße den Augenblick des Seins, das Hier und Jetzt. Stehe für deine freiheitliche-demokratische Haltung auch in schwierigen und gefährlichen Zeiten ohne wenn und aber ein. Denn Mut bedeutet nicht keine Angst zu haben – Mut bedeutet vielmehr das Richtige zu tun obwohl man Angst hat.

Last but not least: es freut mich diebisch, dass an vielen Orten an der Atlantikküste heuer Kunst an grauen Mauern zu prangt. Kunst, die zu Zeiten des NS-Regimes ganz sicher als „entartete Kunst“ definiert worden wäre.
Tja … das muss man dann haben, wenn man die Hybris hatte, für die nächsten tausend Jahre bauen zu wollen. Da wird man zum Glück  schnell mal von der Realität überrollt.

Zum Schluß: Doch noch was Fotografisches

Man(n) kann es dann aber auch nicht lassen ein klein wenig „Struktur“ in die Handyfotografie einzubringen.
So habe ich in den zwei Wochen versucht zwei keine „Mini-Serien“ und ein wenig „Kitsch“ zu kreieren.

Mini-Serie „Sonnenaufgänge“

Mini-Serie „Mensch und Natur“

„Kitsch“ aka „Ist das Kunst oder kann das weg?“


Zwei Wochen Cotentin im September 2022 – Ein Resümee

Wir drei haben den einfachen und reduzierten Urlaub auf dem „Camping La Ferme du Bord de Mer im Cotentin sehr genossen: Ein wieder geerdet und gut erholt blicken wir auf freundliche und offene Menschen, auf eine faszinierende Natur und auf einfaches aber gutes Essen zurück.

Ich schließe frei nach Paulchen Panther: „Heute ist nicht aller Tage – wir kommen wieder, keine Frage!“

Bild: Wir kommen wieder keine Frage

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